Flash-Intros sind zu 100 % böse

Kategorie: Usability – am 09. Mai 2008

Einstiegsseite Vodafone Deutschland

Angestiftet durch einen längeren Vor-Ort-Einsatz bei einem Kunden in Frankfurt schaute ich mich bei Vodafone nach einer neuen Alternative zu meinem alten Fair Flat-Vertrag (5 GB) um, denn mir wurde zugetragen, es gäbe mittlerweile eine Upgrade-Möglichkeit auf eine echte Flatrate für nur 34,95 EUR monatlich. Doch schon als ich den Vodafone Deutschland-URL eingetippt hatte, lief es mir kalt den Rücken herunter. Flash – wohlgemerkt: auf meinem 15,4″-Display war ein Teil des Flash-Films außerhalb des Viewports – und natürlich der unvermeidliche „Intro überspringen“-Button. Wie kann Vodafone nur so etwas tun? Zusätzlich zum Flash-Intro existiert auf der Folgeseite im Kopf-Bereich der Seite eine weitere Flash-Animation. Möchte Vodafone nun über Produkte informieren und sie verkaufen? Oder möchte Vodafone zeigen, wie schön sie Agenturen dafür bezahlen können, Bildchen zu animieren?

Einstiegsseite Vodafone Deutschland, Button „Intro überspringen“

Irgendwie wirkt es schon fast wie ein Schuld-Eingeständnis, dieser „Intro überspringen“-Button. Frei nach dem Motto: „Ihr wollt es nicht sehen. Wir wissen das. Aber wir wollten es trotzdem zeigen.“. Irgendwie fühle ich mich in die neunziger Jahre zurückversetzt.

Weiterführende Links

Usability (Folge 5): The shoemaker’s son always goes barefoot

Kategorie: Usability – am 27. Januar 2008

Die mit 58 Millionen Euro (laut eigenen Angaben über 60 Millionen Euro) im Jahr 2006 umsatzstärkste Multimedia-Agentur Deutschlands wirbt mit Texten wie:

Übersicht über das Kontaktformular der T-Systems Multimedia Solutions GmbH

Wir nutzen dafür das Self-Assessment-Verfahren nach dem EFQM-Modell (European Foundation for Quality Management) sowie dem Bootstrap/SPICE-Modell (ISO/IEC TR 15504). Zum fünften Mal in Folge errangen wir 2007 auf diese Weise den Titel Bester Multimedia Dienstleister Deutschlands. Für uns ist das der Ansporn, unseren Kunden auch in Zukunft state-of-the-art Lösungen und Dienstleistungen zu bieten.

… für sich. Im Deutschen ist es (noch) nach wie vor so, dass Komposita ersatzweise zur Zusammenschreibung auch mit einem Bindestrich verbunden werden dürfen. Unter anderem sorgen Anglizismen, die (wie in der verwendeten Sprache natürlich auch, wenn sie im Deutschen verwendet werden) ohne Bindestrich geschrieben werden, wie z.B. Google Maps, Multimedia Solution oder Operating System, dafür, dass auch mehr und mehr im Deutschen die Regel zum Umgang mit derlei Komposita verwässert wird. Aber zurück zum eigentlichen Thema des Beitrags …

Eben jener Multimedia-Dienstleister, der solch kryptische Phrasen verwendet – und ich bezweifle, dass gerade die Zielgruppe jenes Textes seinen Sinn versteht – bedient sich auch gewiefter Usability-Kniffe, wie der Reduktion des Kontrasts von Kontaktformularen und beispielsweise der sehr webzweinullig wirkenden Tag Cloud.

Detailansicht der Kontaktformulars der T-Systems Multimedia Solutions GmbH

Das Kontaktformular selbst, was unter der Überschrift Nehmen Sie mit uns Kontakt auf! Wir freuen uns auf Sie! daherkommt, stellt eben dieses soeben in der Überschrift gemachte Versprechen drastisch in Frage, da man es kaum erkennt. Hier wird nicht nur eine kleine Schriftgröße verwendet, sondern auch noch ein helles Grau (#b2b2b2) als Schriftfarbe. Ich verstehe nicht, wie der führende Internet- und Multimedia-Dienstleister Deutschlands einen derartigen Kardinalfehler begehen kann!

Tag Cloud der T-Systems Multimedia Solutions GmbH

Gerade die Tag Cloud ist mit Absicht zwar groß gesetzt, allerdings sogar mit einem hellen Grau hinterlegt, so dass die hellgraue Schrift auf noch hellgrauerem Grund kaum zu sehen ist.

Lösung: der relevante Inhalt sollte einen anderen, stärkeren Kontrast erhalten, sowie eine größere und damit besser lesbare Schriftröße.

Galileo Computing: Tech Talks

Kategorie: Usability, Vorträge – am 08. Januar 2008

Mein Vortrag „Usability 2.0“ auf dem letzten Multimediatreff in Köln wurde vom Galileo Press-Verlag aufgezeichnet. Das Ergebnis gibt es jetzt als „Tech Talk“ im Flash Video-Format. Zusammen mit den Vorträgen der anderen Referenten Tobias Hauser, Nils Pooker, Gerrit van Aaken, Jens Grochtdreis und Dirk Jesse, sowie Vitaly Friedmann steht er nun bei Galileo Computing/Tech Talks zur Verfügung.

Sonstiges zum XXI. Multimediatreff

Usability (Folge 4): The Way People Look

Kategorie: Usability – am 27. November 2007

Screenshot und automatisch generierte Heatmap von http://nitzsche.info/

Ein Beitrag des Dr. Web Weblog vom 21. November 2007 stellt den Dienst Feng-GUI vor. Feng-GUI erstellt durch die Analyse eines Screenshots eine Heatmap, die visualisiert, wie Besucher eine Webseite wahrnehmen würden.

Feng-GUI über ihren Dienst: The ViewFinder Heatmap service creates a Saliency attention heatmap. The salience map creation is based upon neuro-science studies of visual Attention, Perception and Cognition of humans. Or in English: What people are looking at? It captures a snapshot image of the requested website and generates a visual attention heatmap. Heatmap - from dark blue through green to red, describing the temperature heat of the image heated by human eyes.

Die Analyse selbst beruht auf einem Mechanismus, der mit Hilfe von KI menschliche Wahrnehmung simuliert. Menschliche Wahrnehmung ist ja so komplex nicht, daher war mein Vertrauen in diesen Dienst anfänglich entsprechend groß – und hat sich leider bestätigt. Wie schön wäre es, eine Webseite einfach von einem Automatismus untersuchen zu lassen und sofort ein fundiertes Ergebnis vorliegen zu haben, auf dessen Basis man nun weitere Optimierungsmaßnahmen erwägen kann? Leider ist das natürlich ein Luftschloss – die Ergebnisse sind mehr als anzuzweifeln. Das bestätigen nicht nur die Kommentare des Beitrags bei Dr. Web, sondern auch die Tests, die ich mit meiner eigenen Webseite vorgenommen habe. Hier sind exakt die Bereiche als sogenannte „Hot Spots“ markiert, denen ich die wenigste Aufmerksamkeit zugestanden hätte. Vermutlich zieht das „neu!“ deutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich, als ich eigentlich möchte, aber dass die Überschriften überhaupt nicht wahrgenommen werden, wage ich zu bezweifeln.

Das Problem der Software ist unter anderem, dass sie die gesamten Erfahrungen eines Menschen beim Betrachten von Webseiten, sowie das blitzschnelle Erfassen von Textbausteinen, die eventuell Aufmerksamkeit erregen, nicht simulieren kann. Bei einem Bild mag sowas noch begrenzt möglich sein, bei Webseiten jedoch spielen eine deutlich größere Anzahl von Faktoren eine Rolle.

Wer genau hinter Feng-GUI steckt, ist unklar. Über sich selbst schreiben sie: Feng-GUI Lab is a group of artificial vision scientists and interactive designers. We have joined together to pool our resources exploring human vision to find out: Where and how people look and what do they find attractive?.

Mich würde stark die Gegenüberstellung von einer echten Heatmap, entstanden durch Eye Tracking, und der korrespondierenden Feng-GUI-Heatmap interessieren – wer so etwas hat, möge sich bei mir melden.

Vorläufiges Fazit: zur Zeit kann eine automatisierte Analyse einer Webseite oder eines Screenshots noch nicht mal ein rudimentärer Ersatz für „echtes“ Eye Tracking. Zu eindeutig sind die offensichtlichen Fehlgriffe dieses Dienstes.

Rückblick: Usability World 2007

Kategorie: Usability, Veranstaltungen – am 03. November 2007

Jakob Nielsen

Gerade habe ich Hamburg den Rücken gekehrt, um nun in Berlin am BarCampBerlin2 teilzunehmen – die Erinnerungen sind noch frisch und die Eindrücke wirken noch nach, daher möchte ich einen kurzen Rückblick wagen. Ebenfalls einen Rückblick, allerdings noch zeitnaher als ich, hat Oliver Wagner in seinem Agenturblog vorgenommen (Tag 1/Tag 2). Angesichts seiner lobenswerten Ausführlichkeit, die mir einiges an Mühe erspart, möchte ich nur kurz auf einige Dinge Bezug nehmen, die mir sehr deutlich aufgefallen sind.

Den Einstieg machte am ersten Tag des Kongresses Hartmut Esslinger, Macher, Visionär und amerikanischer Schwabe. Seine teils abstrakten, teils konkreten, aber immer leidenschaftlichen Ausführungen zum Thema Design, Usability und Strategie hätten selbst Finanzbeamte inspirieren können – wenn nicht zu Kreativität, dann aber zumindest zum Nachdenken. Ein Großer, den zu hören mir sehr viel bedeutet hat.

Auch Andreas Nöltings Einblick in die Entstehung der Webseite des Manager Magazins gefiel gut – der Fokus seiner Ausführungen lag keineswegs auf der Usability, was meinem Interesse allerdings keinen Abbruch tat. Mich hat erstaunt, wieviel Bauch und wie wenig Methode hinter der Optimierung des Manager Magazin Online steht – obwohl man natürlich durch Versuch und Irrtum über die Zeit ein recht gutes Gefühl dafür bekommt, mit welchen Reglern man welche Reaktionen erreicht, ist der Ansatz – trotz seines Erfolgs – meiner Meinung nach zu pragmatisch und zu unwissenschaftlich.

Yves Luther, Oliver Wagner und Jörg Linder beim Gewinner-Dinner von agenturblog.de

Der Vortrag über das iPhone ging enorm in die Tiefe verschiedener Studien über Detailfragen zu Multitouch, Tastatur, etc. und bestätigte meine diffuse Ahnung: das Interface fordert einen gewissen Lernaufwand vom Benutzer und bevorzugt die Benutzer von 12-Tasten-Handys gegenüber den Benutzern von QWERTZ-Business-Handys. Fazit des Vortrags: Das iPhone ist kein Business-Handy, sondern eine Entertainment-Maschine.

Highlight des zweiten Tages war sicherlich die Keynote von Jakob Nielsen, der, nachdem wir uns gegenseitig fotografiert hatten, über den derzeitigen Status von Usability referierte. Meine Ahnung hat sich bestätigt: er ist gar nicht so schlimm wie seine Alertbox. Erwartet habe ich natürlich auch im Vorfeld, dass sein Vortrag fundiert ist – ich wurde nicht enttäuscht. Über zwanzig Minuten stellte er sich danach unseren Fragen und ließ sich bereitwillig fotografieren.

Googles Blog-Suche

Stefan Keuchel, CCO von Google Deutschland, erzählte uns in guten 45 Minuten die Erfolgsgeschichte von Google, viel über eher unbekannte Google-Produkte (von denen es derzeit über 90 gibt) und über die Zukunft des Google-Konzerns und der Google-Suchmaschine. Mein persönliches Highlight: bei seiner Vorstellung weitgehend unbekannter Google-Produkte erwähnte er Googles Blog-Suche. Er verwendete dabei einen Screenshot, auf dem er offensichtlich nach „Usability World 2007“ gesucht hatte – mein Beitrag „Usability World 2007“ war der erste Treffer, gefolgt von einem Beitrag in Oliver Wagners Agenturblog und einem Beitrag aus dem Blog japhy.at von Jörg Linder.

Am Abend des ersten Tages lud Oliver Wagner die Gewinner der Karten zur Usability World 2007 zu einem Gewinner-Dinner im Restaurant seines Hotels 25hours ein – köstlich und reichhaltig, und zwar nicht nur das Essen, sondern auch die Konversation. Danke dafür!

Alles in allem haben mir die beiden Tage gut gefallen. Die Highlights glichen die Tiefpunkte mehr als aus und ließen mich die beiden Tage nicht bereuen. Die Vorträge waren, ebenso wie übrigens das Fachpublikum, sehr heterogen und hatten mehr als einmal nur am Rand Bezug zum Thema Usability. Für den nächsten Kongress wünsche ich mir eine homogenere Referentenauswahl und eine weniger oberflächliche Herangehensweise an das Kernthema.

Meine Bilder vom Kongress gibt es bei Flickr.

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3. September 2008: Findability: Semantic Web

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