Unglückliche Entwickler überall – demotiviert, genervt und oft auch gelangweilt. Und dabei wäre es so einfach! Mindestens ebenso sehr an der Entwicklung einer Webseite beteiligt, wie der Kreative, ist der Entwickler. Konzeptionelle und kreative Phasen sind im Projekt hoch angesehen, die Ergebnisse dieser Phasen sind oft in Stein gemeißelt, während die Umsetzung nicht selten zur Sklavenarbeit unter Vernachlässigung des gesunden Menschenverstands wird.
Folgendes Szenario ist nicht nur wenig unrealistisch, sondern darüber hinaus auch keine Ausnahme:
Bis hierher klingt das normal, oder? Der größte Fehler ist allerdings schon geschehen!
Nun beginnt der zweite Akt der Tragödie … nach und nach fallen den Entwicklern, die nun unter starkem Zeitdruck an der Umsetzung arbeiten, Probleme mit dem Layout auf, das sich so nicht exakt umsetzen lässt. Da der Launch kurz bevorsteht, beginnt die „Frickelei“.
An dieser Stelle ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen! Die Entwickler sind frustriert, weil sie gezwungen werden, das Projekt weit unter ihrem eigentlichen Qualitätsstandard umzusetzen, was marginale Korrekturen des Layouts in einer früheren Phase des Projekts überflüssig gemacht hätten – nun will es aber der Kunde genau so, wie er es auf dem Layout gesehen hat. Die „Frickelei“ kostet das Projekt Code-Qualität, es wird schwer pflegbar, denn unter Zeitdruck sind die Projektkomponenten, die am stärksten leiden, die QA und die Dokumentation. Und, was langfristig natürlich wesentlich schlimmer ist: es kostet die Motivation und das Engagement der Entwickler.
Versucht man nun, dem Kunden eben jene marginalen Layout-Korrekturen stillschweigend unterzuschieben, die man vor der Präsentation ohne weiteres hätte vornehmen können, wird er es im schlimmsten Fall bemerken, bemängeln und auf korrekte Umsetzung bestehen. Hier beginnt nun auch die Unzufriedenheit des Kunden – und sie wird sich bis zum Launch weiter steigern.
Das Entwicklungsteam muss früher in das Projekt integriert werden. Es bietet sich an, einen oder mehrere Entwickler bereits in der Endphase der grafischen Konzeption einzubinden. So kann vermieden werden, dass Features/Gimmicks vorgestellt werden, die in der Entwicklung zu einer Katastrophe werden. Setzt die Agentur das Projekt nicht selbst um, kann sie sich um ein Gutachten zur technischen Machbarkeit durch einen unabhängigen, freien Experten bemühen, oder den Partner um ein Urteil bitten, der im Anschluss an die Konzeption mit der Umsetzung betraut wird.
Gleichzeitig zur Lösung des initial geschilderten Problems bietet diese Vorgehensweise noch weitere Vorteile:
Das Ergebnis ist eine Win-Win-Situation:
Bitte verstehen Sie diesen Vorschlag nicht als Plädoyer für simple Layouts oder faule Entwickler. Ich gehe natürlich davon aus, dass die hier erwähnten Entwickler technisch fähig und in der Lage sind, die Machbarkeit eines Projekts fachlich kompetent einzuschätzen. Die Unlust, ein bestimmtes Feature/Gimmick umzusetzen, darf niemals als Grund dienen, eine Empfehlung gegen die Integration eines solchen Features/Gimmicks auszusprechen.
3. September 2008: Findability: Semantic Web