Heute habe ich meinen ersten Beitrag für das PAGE Weblog geschrieben – und es werden noch viele folgen. Sowohl ich, als auch der Hamburger PAGE Verlag verspricht sich davon, dass die vielfältigen Themen des Weblogs zukünftig durch Themen wie Webentwicklung, User Experience und Konzeption erweitert werden. Ich freue mich darüber, ab sofort zum Blogger-Team der PAGE zu gehören!
In letzter Zeit sind immer wieder „Rezensionen“ von Arbeiten verschiedener Agenturen erschienen. Was mir daran immer wieder aufstößt, ist die Art der Kritik, die weniger be- als viel mehr verurteilt.
Dabei meint Kritik, aus dem Griechischen stammend, ursprünglich die Kunst der Beurteilung. Kritik ist also per se erstmal ohne Wertung – erst die Art der Kritik entscheidet, ob sie positiv (Lob), negativ (Tadel), konstruktiv (der Verbesserung dienend) oder destruktiv (der Zerstörung dienend) ist. In unserer Branche herrschen negative oder destruktive Kritik vor. Es ist ja auch viel leichter, jemanden zu tadeln oder zu verunglimpfen, als jemanden zu loben, oder ihm zu mehr Qualität zu verhelfen – dafür müsste man etwas tun. Auch ich habe diesen Fehler nicht nur einmal gemacht. Ein guter Freund meinte vor einiger Zeit zu mir: „Ein Profi verurteilt nicht und redet nicht schlecht über die Konkurrenz – er hebt sich durch eigene Leistung ab.“ – Recht hat er.
Abgesehen davon, dass man sich durch negative bzw. destruktive Kritik keine Freunde macht, muss man sich natürlich die Frage gefallen lassen, ob man selbst zurecht auf dem Thron sitzt, den man durch seine herablassende Art erklommen hat. Oder konkreter: hat nicht jeder eine Leiche im Keller? Dinge, zu denen er bedingt durch ein Projekt gezwungen war? Das Internet hat so ein gutes Gedächtnis …
Das Problem an brancheninterner Kritik: sie leidet an Unschärfe – man trifft oft die Falschen, Kollateralschäden sind unvermeidbar! Die differenzierten Ursachen für qualitative Defizite werden nicht berücksichtigt.
Die Ursachen für mangelhafte Qualität von Webseiten sind nicht immer schlechte Ausbildung oder Inkompetenz der Entwickler. Es gibt noch ganz andere Probleme – von der Konzeption über die Grafik bis zur Entwicklung ist ein langer Weg. Oft dürfen es die Entwickler dann nur noch ausbaden. Wie viele Projekte hätten hochwertig werden können, wenn Konzeption und Grafik den Entwicklern keinen Strich durch die Rechnung gemacht hätten? Und, um dieser Vermutung direkt Einhalt zu gebieten: ich meine damit keine grafisch aufwändigen Layouts, die Entwickler dazu zwingen, kreative, ungewöhnliche und aufwändige Lösungen zu finden. Ich meine damit konzeptionelle Fehler und grafische Inkonsistenzen, mangelhaftes Verständnis der Technik (oft an Ignoranz grenzend) und unmöglich umzusetzende Vorstellungen, die feuchten Träume unfähiger Webdesigner.
Eine weitere Dimension bleibt als Ursache für Qualitätsmängel allerdings fast immer auf der Strecke: der Kundenwunsch. Nur selten kam mir bisher eine Agentur unter, die einen großen Kunden abgelehnt hätte, weil er sich für seine Webseite etwas gewünscht hat, was gegen allgemein anerkannte Regeln verstößt. Natürlich wird Schadensbegrenzung betrieben, es werden Mails geschrieben, recherchiert und Alternativen vorgeschlagen. Letztendlich gewinnt dann meist der Kunde – denn bevor man ihn verliert, baut man ihm lieber sein Flash-Intro. Dabei kann man mit ehrlicher Beratung, pointierter Argumentation und Beispielen fast jeden Kunden einfangen. Regeln und Tabus gibt es nicht grundlos – sie haben ihre Existenzberechtigung und ihre Sinnhaftigkeit lässt sich ausnahmslos belegen – entsprechende Kompetenz vorausgesetzt. Es scheint tatsächlich absurd, aber es ist Tatsache: viele Kunden sind für die mangelhafte Qualität ihrer eigenen Webseite durch ihre Beratungsresistenz maßgeblich mit verantwortlich!
Auch das Budget enthält eine Komponente, die der Kunde zu verantworten hat. Bezahlt man einen Trabant, kann man keinen Porsche erwarten. Natürlich müssen auf der anderen Seite die Agenturen dafür Sorge tragen, dass ein Kunde keinen Porsche bezahlt und einen Trabant bekommt.
Was man dabei riskiert, zeigen die Leidenswege vieler mittelmäßiger Agenturen, die ständig nach dem Geld greifen, ohne dabei an die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter, die Qualität ihrer Arbeit oder die Zufriedenheit ihrer Kunden zu denken. Cash Flow ist wichtig, das Projekt muss In Time und In Budget gelauncht werden. Der Horizont der Agenturen endet häufig dort, wo sich die eigentlichen Qualitätsmängel offenbaren. Der Kunde leidet deutlich mehr unter einer halbgaren Webseite, als unter einer Terminverzögerung. Die Nachteile eines konzeptionellen und technischen Schnellschusses im Hinblick auf Wartbarkeit, Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit brauche ich an dieser Stelle nicht extra zu erwähnen. Mut sucht man auf Agenturseite vergebens, die Branche ist schließlich kein Ponyhof – „Wenn wir’s nicht machen, macht’s jemand anders.“.
Was kann man nun daraus machen?
Wir Webkrauts, bisher eher bekannt durch den Finger hebende Kritik, haben diesen Sommer mit den Sonnenseiten gezeigt, dass wir auch anders können. Und dass uns das angerechnet wird, genau diese neue Ausrichtung, zeigt sich durch zahlreiches Feedback, was uns während und nach der Aktion erreichte. Der Erfolg ist nicht messbar, aber vermutlich erreicht man auf diese Art mehr.

Aus gegebenem Anlass möchte ich im Namen von Adrian Schmidt, dem Organisator und Ideengeber der 1. Essener Circusgala, Werbung für eben diese Veranstaltung machen. Am 23. Mai 2008 findet die Gala auf dem Gelände des Weltkulturerbes Zeche Zollverein statt, im Circuszelt des Circus Traber. Das Besondere: Jede verkaufte Eintrittskarte und alle gesammelten Spenden unterstützen in vollem Umfang die Arbeit der Schule für Circuskinder in NRW in der Trägerschaft der Evangelischen Kirche im Rheinland, die sich seit 14 Jahren um eine qualitativ hochwertige Schulbildung dieser Kinder kümmert.
Das Programm kann sich sehen lassen. Adrian Schmidt konnte Volker Pispers mit seinem Jubiläumsprogramm „Bis Neulich: Ein Streifzug durch 20 Jahre Kabarett“ gewinnen. Sein Auftritt wird von einem Vorprogramm mit artistischen Darbietungen, sowie einer großen Tombola begleitet, natürlich ebenfalls für den guten Zweck.
Mein erster Artikel ist seit heute in englischer Sprache online: 13 Steps to Search Engine Pessimization. Zur Seite stand mir dabei die Essener Dipl.-Dolmetscherin/Übersetzerin Nadine Dönike – Vielen Dank!
Ich wünsche allen Kunden, Dienstleistern und Partnern, Kollegen, Freunden und Lesern besinnliche Festtage und einen guten, erfolgreichen Start in das Neue Jahr 2008. Danke für dieses wunderbare Jahr 2007! Feiert schön & lasst es Euch gut gehen!
3. September 2008: Findability: Semantic Web