Korrektur: Daten und Fakten zu Behinderungen in Deutschland

Kategorie: Accessibility, In eigener Sache, Veranstaltungen, Vorträge – am 26. Oktober 2007

Logo der Accessibility Blog Parade 2007

Eine Dame vom MAIN_blog hat mich eingeladen, an der Accessibility Blog Parade 2007 teilzunehmen. Das konnte ich nicht ablehnen und verbinde diese Einladung mit der Notwendigkeit, einige Aussagen aus dem Exkurs „Zugänglichkeit im Web 2.0“ am Ende meines Vortrag „Usability im Web 2.0“ beim Multimediatreff XXI in Köln zu korrigieren.

Tomas Caspers, Experte für Zugänglichkeit von Webseiten und mit verantwortlich für Einfach für Alle – Die Aktion Mensch-Initiative für ein barrierefreies Web, saß im Auditorium. Eigentlich wollte ich mir schon vor meinem Vortrag Input von ihm holen, allerdings habe ich das aus Zeitgründen nicht mehr geschafft. Als ich ich ihn nach meinem Vortrag ansprach, sagte er mir ein paar Punkte, die ich korrigieren müsste. Hier waren wohl meine Quellen ungenau oder schlicht falsch. Im folgenden gebe ich sinngemäß die Informationen wieder, die mir Tomas in einer E-Mail zur Verfügung stellte:

Irrtum Nr. 1: Ein maßgeblicher Teil der Blinden in Deutschland leidet darunter, das Internet nicht nutzen zu können

Falsch! Richtig: Von den erblindeten Deutschen ist der überwiegende Teil weit jenseits der 65 Jahre und hat keinerlei Ambitionen, überhaupt einen Computer, geschweige denn das Internet zu nutzen. In der Regel sind sie späterblindet durch Unfall, degenerative Sehnbehinderung, Schlaganfall, Diabetes, etc. und beherrschen Braille üblicherweise nicht. Die Zahl der Blinden im erwerbsfähigen Alter ist eher bei ca. 20.000 anzusiedeln – davon ist jedoch ein hoher Prozentsatz offline. Die Anzahl der tatsächlich relevanten Blinden liegt also eher im hohen vierstelligen/niedrigen fünfstelligen Bereich. Auch die 500.000 Sehbehinderten (in meinem Vortrag definiert durch < 30 % Sehfähigkeit) sind nach Tomas zu hoch gegriffen – laut Statistischem Jahrbuch 2006 gibt es zusammen genommen nur 347.226 Blinde und Sehbehinderte.

Irrtum Nr. 2: Gehörlosigkeit ist gleich Gehörlosigkeit

Falsch! Richtig: Man muss unterscheiden zwischen Gehörlosen, die ein Cochlea-Implantat haben, und solchen, die keines besitzen und somit nicht in den Genuss eines „normalen“ Spracherwerbs gekommen sind. Zwischen beiden Gruppen verläuft auch eine politische Grenze, und es ist schwer, beide in einen Topf zu werfen. Gehörlose ohne Cochlea-Implantat haben oft massive Schwierigkeiten mit der Schriftsprache und in der allgemeinen Intelligenzentwicklung, da sie in erheblichem Maße mit der Sprachentwicklung zusammenhängt.

Irrtum Nr. 3: Die Zahl der Lernbehinderten

Die allgemein anerkannte Grenze zur kognitiven Behinderung liegt bei einem Intelligenzquotienten von < 70. Etwa 3 % der Bevölkerung Deutschlands liegt darunter. Geht man von einer Bevölkerung von etwa 82.310.000 aus (Stand: 31. Dezember 2006), so sind das immerhin ca. 2.500.000 Menschen. Quelle: Statistisches Jahrbuch 2007 (Statistisches Bundesamt)

Irrtum Nr. 4: Die Zahl der Schwerbehinderten

In Deutschland beziehen etwa 585.000 Menschen die Eingliederungshilfe nach SGB XII – soweit stimmt die Zahl mit den 600.000 von mir in meinem Vortrag genannten überein. Die tatsächliche Anzahl der menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung (GdB > 50) ist allerdings um ein Vielfaches höher.

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