Stefan Münz und die Webstandards

Kategorie: Fundstücke, Webstandards – am 02. Oktober 2007

Stefan Münz, Gründes des Projekts „SelfHTML“ und Autor, hat in seinem Webkompetenzblog am Freitag, den 28. September, etwas sehr interessantes zum Thema Webstandards gesagt:

„Ich gehe sogar so weit zu behaupten: Floatende div-Bereiche sind um keinen Haarbreit besser oder semantischer oder barrierefreier als rahmenlose Tabellen.“

In diesem Satz wimmelt es von Missverständnissen!

  1. Ein div-Element ist semantisch absolut bedeutungslos.
  2. Ein table-Element ist dazu da, um tabellarische Daten zu formatieren. Dazu meint das W3C folgendes: Tables should not be used purely as a means to layout document content as this may present problems when rendering to non-visual media. […] To minimize these problems, authors should use style sheets to control layout rather than tables.
  3. Unabhängig von der Tatsache, dass der table-Element eine semantische Bedeutung im Markup besitzt, bringt die Tabelle, wenn sie zur Formatierung einer Webseite herangezogen wird, Struktur- und Präsentationsebene zusammen und verletzt damit die Grundregeln moderner, standardkonformer Webentwicklung, nämlich die Trennung von
    • Structure (Struktur)
    • Content (Inhalt)
    • Presentation (Präsentation)
    • Behaviour (Verhalten)
  4. Webstandards und Barrierefreiheit gehen zwar Hand in Hand, aber sind nicht inhärent miteinander verbunden. Eine standardkonforme Seite wird nicht zwangsläufig durch die Standardkonformität barrierefrei, aber eine barrierefreie Webseite muss immer standardkonform sein.
  5. Wen kümmert es, ob Tabellen Rahmen besitzen, wenn es um Standardkonformität und Barrierefreiheit geht?

Stefan Münz weiter:

„Denn ebensowenig wie Tabellen für Seitenlayouts gedacht sind, ist die Funktionalität, eine Box links oder rechts von anderem Inhalt umfließen zu lassen oder auch mehrere Boxen auf diese Weise horizontal aneinanderzureihen, für ganze Seitenlayouts gedacht, sondern eher für Aufgaben wie die Platzierung einer Grafik oder eines Kastens mit Zusatzinformation im Fließtext.“

… und wenn mein Layout nun aus horizontal aneinandergereihten Boxen besteht? Welches nicht semantische Element sollte ich sonst zur Strukturierung der Inhalte einsetzen, wenn nicht das div-Element?

Sicher, das Floating von div-Elementen wird dazu benutzt, ganze Layoutanordnungen zu bestimmen, und richtig komfortabel und nativ löst es erst das CSS Grid Positioning Module. Aber im Unterschied zum Tabellenlayout, das Elemente auf der Strukturebene missbraucht, um die Präsentation zu beeinflussen, werden bei Float-Layouts Struktur und Präsentation streng separiert.

Fazit: Natürlich ist die Verwendung von Float-Layouts und die strenge Trennung von Struktur, Inhalt, Präsentation und Verhalten der Semantik wesentlich zuträglicher – und außerdem Voraussetzung für Barrierefreiheit.

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6 Kommentare »

  1. Keine Resonanz zu diesem Beitrag? Also, ich muss schon sagen, diese Behauptung hat mich ebenfalls sehr verblüfft. Danke für das saubere Aufdrieseln der zahlreichen Missverständnisse.

    Gruß
    Dirk

    Comment von Dirk — am 09. Oktober 2007 um 13:32

  2. Sicher, DIV-Elemente sind auch nicht für ein dem Print ähnlichen Layout einer Website geschaffen worden. Aber auf Basis einer semantischen Logik den Vergleich mit Datentabellen anzustellen, das ist schon ziemlich heftig.

    Kann ich nicht verstehen. Als ob’s nicht schon schwer genug ist, Webstandards zu verbreiten.

    Comment von Nils — am 09. Oktober 2007 um 19:47

  3. Ich denke, Münz differenziert schlicht nicht zwischen zwei Aspekten von Semantik: zwischen der inhaltlichen Bedeutung, die Elementen per Definition innewohnt (bedeutungshaftes “table” versus bedeutungsloses “div”) und der “privaten” Bedeutung im Sinne des Sinns, den man fließenden div-Elementen, z.B. Randspalten neben Textspalten, abgewinnen kann.

    Das zweite Zitat ist tatsächlich lediglich seine enge Interpretation des Verwendungszwecks von fließenden Elementen zum Zwecke des Seitenlayouts. Das aber lässt sich im Grunde genauso gut auf positionierte (fix, absolut oder relativ) Elemente beziehen.

    Comment von Boris — am 09. Oktober 2007 um 20:28

  4. Oops… da hat aber einer schwer daneben gelangt. Ein Verfechter des Tabellenlayouts, weil nicht besser ist? Na wunderbar.

    Div-Boxen sind sicher nicht das allergelbe vom Ei. Theoretisch könnte man semantische(re) Lösungen entwickeln, aber mit haben wir ein doch recht ordentliches Werkzeug zur Hand.

    Und für schlanges, semantisches, vernünftiges Markup, dass auch ohne CSS funkioniert, bin ich sowieso. Ob wir die Boxen mit CSS nachher floaten, ist doch eigentlich eine ganz andere Frage?!

    Comment von Felix — am 10. Oktober 2007 um 7:36

  5. Liest man die Diskussion zu diesem Beitrag im Forum, das seinem Blog anhängig ist, dann kann man erkennen, dass Stefan Münz durchaus differenzieren kann – was ich mich nur frage: Wieso schreibt er dann so einen Beitrag?

    Comment von Stefan Nitzsche — am 15. Oktober 2007 um 15:48

  6. Wieso schreibt er dann so einen Beitrag?

    Vielleicht wollte er nur provozieren und das Thema etwas bissig angehen. Denn differenzieren kann er - wie du schon sagst - sehr gut und hat dies jahrelang auch im SELFHTML-Forum vorgelebt.

    Comment von Dirk Schürjohann — am 20. Oktober 2007 um 0:22

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