
Eine Dame vom MAIN_blog hat mich eingeladen, an der Accessibility Blog Parade 2007 teilzunehmen. Das konnte ich nicht ablehnen und verbinde diese Einladung mit der Notwendigkeit, einige Aussagen aus dem Exkurs „Zugänglichkeit im Web 2.0“ am Ende meines Vortrag „Usability im Web 2.0“ beim Multimediatreff XXI in Köln zu korrigieren.
Tomas Caspers, Experte für Zugänglichkeit von Webseiten und mit verantwortlich für Einfach für Alle – Die Aktion Mensch-Initiative für ein barrierefreies Web, saß im Auditorium. Eigentlich wollte ich mir schon vor meinem Vortrag Input von ihm holen, allerdings habe ich das aus Zeitgründen nicht mehr geschafft. Als ich ich ihn nach meinem Vortrag ansprach, sagte er mir ein paar Punkte, die ich korrigieren müsste. Hier waren wohl meine Quellen ungenau oder schlicht falsch. Im folgenden gebe ich sinngemäß die Informationen wieder, die mir Tomas in einer E-Mail zur Verfügung stellte:
Falsch! Richtig: Von den erblindeten Deutschen ist der überwiegende Teil weit jenseits der 65 Jahre und hat keinerlei Ambitionen, überhaupt einen Computer, geschweige denn das Internet zu nutzen. In der Regel sind sie späterblindet durch Unfall, degenerative Sehnbehinderung, Schlaganfall, Diabetes, etc. und beherrschen Braille üblicherweise nicht. Die Zahl der Blinden im erwerbsfähigen Alter ist eher bei ca. 20.000 anzusiedeln – davon ist jedoch ein hoher Prozentsatz offline. Die Anzahl der tatsächlich relevanten Blinden liegt also eher im hohen vierstelligen/niedrigen fünfstelligen Bereich. Auch die 500.000 Sehbehinderten (in meinem Vortrag definiert durch < 30 % Sehfähigkeit) sind nach Tomas zu hoch gegriffen – laut Statistischem Jahrbuch 2006 gibt es zusammen genommen nur 347.226 Blinde und Sehbehinderte.
Falsch! Richtig: Man muss unterscheiden zwischen Gehörlosen, die ein Cochlea-Implantat haben, und solchen, die keines besitzen und somit nicht in den Genuss eines „normalen“ Spracherwerbs gekommen sind. Zwischen beiden Gruppen verläuft auch eine politische Grenze, und es ist schwer, beide in einen Topf zu werfen. Gehörlose ohne Cochlea-Implantat haben oft massive Schwierigkeiten mit der Schriftsprache und in der allgemeinen Intelligenzentwicklung, da sie in erheblichem Maße mit der Sprachentwicklung zusammenhängt.
Die allgemein anerkannte Grenze zur kognitiven Behinderung liegt bei einem Intelligenzquotienten von < 70. Etwa 3 % der Bevölkerung Deutschlands liegt darunter. Geht man von einer Bevölkerung von etwa 82.310.000 aus (Stand: 31. Dezember 2006), so sind das immerhin ca. 2.500.000 Menschen. Quelle: Statistisches Jahrbuch 2007 (Statistisches Bundesamt)
In Deutschland beziehen etwa 585.000 Menschen die Eingliederungshilfe nach SGB XII – soweit stimmt die Zahl mit den 600.000 von mir in meinem Vortrag genannten überein. Die tatsächliche Anzahl der menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung (GdB > 50) ist allerdings um ein Vielfaches höher.
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3. September 2008: Findability: Semantic Web
Glaube nie eine Statistik …
Zu der Zahl der Sehbehinderten gibt es sehr unterschiedliche Zahlen. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband spricht von einer halben Million, die aber eine Hochrechnung darstellt. In manchen Ländern wird neben Blindengeld auch ein vermindertes Blindengeld für Sehbehinderte geleistet. Wie auch immer: Das verminderte Blindengeld wird dann bewilligt, wenn man weniger als 5% sieht. Sehbehindert ist man aber, wenn man weniger als 30% sieht.
Obwohl ich kein Statistiker bin und auch keine falsche Zahlen in die Welt setzen möchte, ist die Zahl der Sehbehinderten deutlich höher anzusehen, als hier angegeben. Man spricht teilweise von bis zu 12 Millionen, wobei es hierfür keine offiziellen Zahlen gibt.
Die Zahl der Menschen in Deutschland mit einer Schwerbehinderung liegt irgendwo bei 7 Millionen. Hierfür sollte das statistische Bundesamt konsultiert werden.
Comment von Jan Eric Hellbusch — am 29. Oktober 2007 um 18:37
Danke Dir für Deinen ausführlichen Kommentar, Jan Eric. Ich denke, dass die Statistiken aus dem Grund stark variieren, weil die Kriterien für die Eingrenzung der beobachteten Gruppen so unterschiedlich sind. Interessant wären Statistiken, die direkt Bezug auf die Fähigkeit Seh- oder anderweitig Behinderter nehmen, das Internet zu benutzen. Ich kenne allerdings keine Quelle für Studien in dieser Richtung – ist Dir etwas bekannt?
Comment von Stefan Nitzsche — am 03. November 2007 um 3:30
[...] Blog Parade, etwa Jens Grochtdreis, Stefan Blanz, Nils Pooker , Dirk Ginader , Stefan David oder Stefan Nitzsche sowie die in Wien aktiven Webkrauts Eric Eggert und Martin Ladstätter von BIZEPS [...]
Pingback von MAIN_web » Blog Archiv » Webkrauts im Advent — am 02. Dezember 2007 um 21:14