Usability (Folge 1): HP Deutschland

Kategorie: Usability – am 06. Juli 2007

Startseite von Hewlett-Packard Deutschland

Betritt man die Webseite von HP Deutschland, so wird man zunächst einmal nach Eingabe von „http://www.hewlett-packard.de/“ auf die sprechende URL „http://www.hp.com/country/de/de/welcome.html“ weitergeleitet (Wir rufen uns an dieser Stelle bitte ins Gedächtnis, dass wir soeben die Webseite eines führenden, global agierenden Technologieunternehmens betreten haben!). Ein Cookie speichert die zuletzt angewählte Zielgruppe als Standard, so dass ich nun bei erneutem Betreten der Webseite immer direkt als großes Unternehmen erkannt werde. Ein sinnvolles Feature.

Direkt beim Betreten der Seite wird per Scripting (sic!) die zweite Zielgruppe hervorgehoben, so dass entsprechender Navigationspunkt den Focus erhält. Das hätte sich auch im Markup machen lassen. Diese Vorgehensweise erweist sich gerade dann als sinnvoll, wenn ich noch während des Renderings der Startseite das Suchfeld nutzen möchte (wie naiv!) und dem Feld der Focus trotz Klick gewaltsam entrissen wird.

Überhaupt: die Sliding Doors von HP funktionieren zwar als Hover-Effekt, allerdings – damit wir es auch bitte nicht sofort verstehen – erst nach einem Timeout. Gleichzeitig nehmen die Navigationspunkte selbst zwei Aufgaben wahr:

  • Inaktiv reagieren Sie bei Klicken, indem der Timeout übergangen und direkt der entsprechende Bereich sichtbar wird.
  • Ist der entsprechende Bereich bereits sichtbar, reagieren Sie bei Klicken als vollwertiger Link, der mich an die Einstiegsseite der jeweiligen Zielgruppe verweist.

Eine derartige funktionelle Doppelbelegung verlangt vom Benutzer ein erhöhtes Konzentrations- und Adaptionsvermögen – und stellt zugleich die Geschicklichkeit des Informationsarchitekten unter Beweis. Zusätzlich weckt das Look & Feel des Hover-Effekts Erinnerungen an alte Zeiten, in denen die Skriptverarbeitung noch so langsam war, dass sich bei beabsichtigt sofortiger Verarbeitung trotzdem ein Delay zwischen Event und Ausführung des Effekts ergab.

Als ob es nicht genug gewesen wäre, die Bedienbarkeit der Sliding Doors zu erschweren, hält sich HP nicht an die eigene Farbkodierung. So nimmt z.B. der Bereich „Öffentlicher Sektor, Gesundheits- & Bildungswesen“, der auf der Startseite in Dunkelgrün (#336633) kodiert ist, die Farbe des Bereichs „Kleine & mittlere Unternehmen“ (#0066ff) an, der natürlich auch nicht bei seiner Farbe bleibt, sondern farblich zur Zielgruppe „Große Unternehmen“ (#003366) mutiert.

Auch typografisch lässt HP kein Fettnäpfchen aus … 11 px große, weiße Schrift auf grellem Mittelblau (#0066ff) mit engem Zeilenabstand macht Lust auf mehr.

Die Seitenstruktur an sich ist zwar nicht in Tabellen geformt, dafür ist aber eine starke Divitis ausgebrochen … Container um Container verschachteln sich gegenseitig und sind gepaart mit einer präsentationsbezogenen Classitis (bold, small) sowie Inline Style-Angaben.

Als Sahnehäubchen begrüßt mich ab jetzt immer wieder der eingängige, deutsche Claim „Business technology for the next generation data centre“ mit dem selbsterklärenden Link „Click Transformer“ auf einem viel zu deutlich an die Matrix-Trilogie angelehnten Hintergrund. Ganz abgesehen davon: wieso benutzt ein amerikanisches Unternehmen eigentlich „centre“ (BE) anstatt „center“ (AE)?

Am Ende drängt sich der Gedanke auf, dass Informationsarchitekt, Gestalter und Texter miteinander verwandt sein könnten.

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1 Kommentar »

  1. [...] Sprache auszuwählen? Für die internationale Seite von Hewlett-Packard (die von mir schon zweimal durch den Kakao gezogen wurde), hat man sich etwas ganz pfiffiges einfallen [...]

    Pingback von nitzsche.info/Blog/Usability (Folge 6): Sprachwahl — am 09. Dezember 2008 um 12:28

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